Freie Presse - Montag, den 07.01.2013

Diamant und Wasser sind wichtige Helfer

Glasschleifer Peter Uhlig aus Satzung hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehrere Standbeine aufgebaut - eine Hilfe dabei war das weltweite Netz.
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VON BABETTE ZAUMSEIL

SATZUNG - Das Internet hat vieles im Leben von Peter Uhlig verändert. Der Glasschleifer aus Satzung hielt bis Ende der 1990er-Jahre Kontakt zu zahlreichen Geschäften, die seine Waren kauften. Doch viele verschwanden nach und nach, etwa, weil ihre Besitzer die teuren Mieten in den Stadtzentren nicht mehr zahlen konnten. Da richtete einer seiner beiden Söhne eine Homepage ein. Und das scheint eine recht gute Idee gewesen zu sein, denn der Handel über das weltweite Netz entwickelte sich zu einem Standbein, erzählt der Glasschleifer. "Meine Kunden kommen heute nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Frankreich, Norwegen, den USA und aus Taiwan."

"Ja, meine Wasserrechnung ist schon recht hoch."
Peter Uhlig Glasschleifer

Mit den Jahren hat der 59-jährige auch einen Groß- und Einzelhandel aufgebaut, in dem er unter anderem ergebirgische Holzkunst und Glasmalerei aus Thüringen anbietet. Und er erledigt Reparaturarbeiten, wenn zum Beispiel Glasränder wieder plangeschliffen werden müssen. "Mehr als die Hälfte meines Umsatzes mache ich mit Glas." Es ist ein Präzisionshandwerk, dem Peter Uhlig nachgeht - oder besser zwei. Denn der gelernte Glassschleifer hat sich in den 20 Jahren seiner Selbstständigkeit die Gravur selbst beigebracht. der Unterschied zum Glasschleifen, bei dem ein Tiefschliff erfolgt: Der Graveur malt förmlich auf Glas. Für beide Arbeiten benötigt er Diamantschleifscheiben und Wasser, viel Wasser, um das Glas zu kühlen und den Glasstaub zu binden. "Ja, meine Wasserrechnung ist schon recht hoch", sagt Peter Uhlig.
In seiner Werkstatt verarbeitet er Bleikristall, Glas aus der Lausitz, aber solches auch aus Fernost. Das ist dann von der Qualität her nicht so hochwertig, aber eben auch preiswerter. Ob SChliff oder Grabur teurer seihen, entscheide der Aufwand, den er betreibt. Maximal eine halbe Stunde hat Peter Uhlig für den Schliff eines Sektglases Zeit. Dann steht es da, im aufwendigen und teuren Pariser Schliff gestaltet und sieht noch recht trübe aus. Nun wird es verpackt und nach Arnstadt geschickt, wo es in einer Mischung aus Fluss- und Schwefelsäure den richtgen Glanz bekommt. Den der Glasschleifer einem fertign Produkt manchmal zum Teil wieder nimmt, wenn er es im Anschluss noch einmal bearbeitet und bestimmte Stellen mattiert.
Das Ganze ist nicht preiswert, steckt doch dahinter hohe Handwerkskunst - freihändig gestaltet, nur einige wenige Linien auf dem Gläsern dienen als Anhaltspunkt. Das Ergebnis: zum Beispiel besagtes Sektglas zu 31 Euro, perfekt in der Symmetrie, glänzend. Höchstens eine halbe Stunde dauert es, bis dieses Glas fertig ist, aber zehn Jahre, bis der Glassschleifer in seinem KÖnnen perfekt ist, sagt der Satzunger.
Seinen Schritt in die Selbstständigkeit vor zwei Jahrzehnten hat er nicht bereut. Vielleicht liegt das ein Stück weit auch an seine Kunden. "Sie kennen sich aus den verschiedenen Schliffen, haben bestimmte Vorlieben und kaufen gezielt." Und entwickeln manchmal eine ganz besondere Verbundenheit zu der Firma Bleikristall-Glasveredlung Peter Uhlig: "Mich haben Kunden schon zu Geburtstagen und Hochzeiten eingeladen, wenn ich zum Beispiel etwas für sie graviert habe." In den vergangenen beiden Jahren war der Anlass oft ein anderer: Es wurden zahlreiche Gefäße mit Gravuren zu einem 20. Firmengeburtstag bestellt. Aus dem Firmengründungsboom der ersten Jahre nach der Wende haben es manche nicht geschafft, sinniert Peter Uhlig. Er hat sein Ein-Mann-Unternehmen nach dem 1. Dezember 1992 durch die Fahrwasser geschifft und will hauptberuflich fünf Jahre weitermachen. Dann wird der nach eigener Aussage letzte Glasschleifer im Erzgebirge in den Ruhestand gehen. Seine beiden Söhne haben sich für andere Berufswege entschieden, und darüber ist er auch nicht böse. "Ich habe sie nicht dazu angehalten, in meine Fußstapfen zu treten", sagt der 59-Jährige.

Peter Uhlig in seiner Satzunger Werkstatt.

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Neuankömmlinge haben Pariser Schliff mitgebracht.

Peter Uhlig können die Besucher bei der Arbeit über die Schulter schauen. Seine Werkstatt mit daneben liegenden Schauraum ist Montag bis Freitag in der Zeit von 10 bis 19 Uhr und Sonnabend von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

Wer sich mit dem Thema Glas näher vertraut machen will, kann sich im Glashüttenmuseum Neuhausen informieren. Glashütten hat es auf dem heutigen deutschen Gebiet bereits in Zeiten römischer Besatzung gegeben, sagt Dietmar Geyer, Leiter des Museums. Es sei ein typisches Gewerbe gewesen, verbreitet in den Mittelgebirgen.

Mit der Zeit wurden es immer weniger Glashütten, im Erzgirge etwa, weil die Konkurrenz aus Böhmen preiswerter war. Auch das industriell hergestellte Glas trug zu einem Niedergang bei, ebenso die Tatsache, dass den Glasmachern das Holz nicht mehr zu günstigen Preisen zur Verfügung gestellt wurde.

Die letzte Glashütte in der Region war die Neuhausener Glashütte Heidelbach. Sie schloss ihre Pforten um das Jahr 1830.

Eine Wiederbelebung erfuhr die Glasveredlung im Erzgebirge nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich aus dem Böhmischen heimatvertriebene Glasschleifer ansiedelten. Er habe selbst bei einem von ihnen in Olbernhau gelernt, sagt Peter Uhlig. Die Neuankömmlinge brachten auch den aufwendigen Pariser Schliff mit.
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