Freie Presse - Dienstag, den 22.09.2009

Glas erhält am Hirtstein den Pariser Schliff

Peter Uhlig aus Satzung veredelt seit 40 Jahren Bleikristall - Farbe Kobaltblau nach wie vor am gängigsten - Verzierung vom Stern bis zur Rose

Satzung. Schon als Kind hat Peter Uhlig gern geschnitzt und gemalt. So lag es nahe, dass der Satzunger auch einen Beruf wählte, der viel Fingerspitzengefühl und Kreativität erfordert. Nun entschied sich der heute 56-Jährige nicht für die Arbeitsmaterialien Holz oder Papier, sonder für Glas. Peter Uhlig feiert in diesem Jahr 40-jähriges Berufsjubiläum als Glasschleifer.

Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es in Satzung eine Glashütte. Das Handwerk verschwand aber nach und nach wegen des Bergbaus. Erst mit der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte die Kunst der Glasveredelung zurück ins Erzgebirge. "Eigentlich wollte ich Glasgraveur werden", erzählte Peter Uhlig. Diese wurden 1969 aber nicht gebraucht. So begann er eine zweijährige Lehre zum Glasschleifer bei der Olbernhauer Veredlerei Pech & Kunte. Später bis 1991 war er bei Volkmer & Co. in seiner Heimatgemeinde tätig. 1992 folgte der Schritt in die Selbständigkeit.


Der Satzunger Glasschleifer Peter Uhlig steht an der Schleifmaschine und fertigt eine Vase. Sie ist unter anderem mit dem Pariser Schliff - einem Knopfsternmuster - dekoriert.

In den Glasvitrinen in Peter Uhligs kleinem Laden sind die Schmuckstücke zu sehen: Vasen, Schalen, Bierseidel, Fensterbilder, Windlichter, Weingläser. Sie leuchten in den Farben Goldrubin, Bernstein, Amethyst und Smaragdgrün. "Am gängigsten ist aber immer noch Kobaltblau", weiß Uhlig. Da komme der Kontrast zwischen der Farbe und den geschliffenen, weißen Stellen am besten zur Geltung.

In der Werkstatt skizziert Peter Uhlig zunächst ein Raster oder grobes Muster auf die mundgeblasenen Rohlinge. An einer Maschine mit Scheiben verschiedenen Profils und Materials schleift er sorgfältig Linien und Rundungen ein. Wasser bindet den Glasstaub. Im Unterschied zum Gravieren schaut der Handwerker von innen durch das Glas, außerdem sind die eingeschliffenen Stellen tiefer. Danach werden die Stücke verschickt und kommen im bayerischen Riedlhütte in ein Bad aus Fluss- und Schwefelsäure. "Erst dadurch glänzt das Bleikristall", so Peter Uhlig. Das Glas heißt so, weil es 24 Prozent Bleioxid enthält.

"Ich habe immer nur einen Versuch", meint er. Was weggeschliffen ist, ist weg. Über die Jahre hat er unzählige Stücke geschaffen, sei es mit Rosendekor oder dem Pariser Schliff - einer Knopfsternform. Die kleinste Vase misst sechs Zentimeter, die größte 1,12 Meter. Peter Uhlig, der seinen Beruf liebt, hat heute vor allem Privatkunden, fertigt Unikate etwa für Hochzeiten und Vereinsjubiläen, repariert aber auch beschädigte Stücke. Er liefert in alle Welt, sogar bis Taiwan. Ihn selbst hat es aber nie weggezogen aus Satzung. In der Gemeinde lebt der Vater zweier erwachsener Söhne mit seiner Frau, die ihm hilft, wenn aller drei Monate das Glas im Geschäft entstaubt wird. Er ist Mitglied der freiwilligen Feuerwehr und des Erzgebirgszweigvereins. Peter Uhlig meint: "Es gibt nur eine Heimat im Leben."

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